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Die Schmerztherapie
Schmerz ist eigentlich eine natürliche Warnfunktion des Körpers. Chronische Schmerzen hingegen haben ihre Signalfunktion verloren: Sie schränken die Lebensqualität des Betroffenen derart ein, dass das Schmerzbild zu einer eigenständigen Krankheit wird.

Chronische Schmerzen können durch ein Grundleiden ausgelöst werden, beispielsweise durch Verletzungen bei einem Unfall, nach Operationen oder durch Krankheiten wie Krebs. Sie tauchen im Bereich des Kopfes, des Rückens oder des Bewegungsapparates auf. Der Dauerschmerz verursacht zusätzlich Muskelverspannungen, die das Schmerzgebiet weiter ausdehnen.

Die Schmerztherapie hat das Ziel, die Lebensqualität des Patienten so weit wie möglich zu steigern und die Schmerzen erträglich zu machen. Da Schmerzen auf dem subjektiven Empfinden des Patienten beruhen und mit apparativen Messmethoden nicht zu erfassen sind, müssen Ärzte die Aussagen und Schilderungen der Patienten zugrunde legen. Eine Möglichkeit zur Erfassung der subjektiven Schmerztiefe ist die Befragung des Erkrankten mit Hilfe eines Fragenkataloges, der detailliert auf Schmerzzustände und Schmerzgebiete eingeht. Auf einer Symptomskala misst der Patient sein Leiden. Anhand dieser Einschätzung können Arzt und Patient den Erfolg einer Schmerztherapie laufend verfolgen.

„Schmerztherapie“ ist ein Oberbegriff, unter dem viele spezielle Therapiemöglichkeiten zusammengefasst werden:

  • medikamentöse Schmerztherapie
  • operative Behandlung
  • alternative Behandlungsansätze
  • physiotherapeutische Schmerztherapie
  • psychologische Schmerztherapie

Die Auswahl der Therapien hängt ganz von den Leiden des Patienten und von der Einstellung des Arztes zu den Therapiemöglichkeiten ab.

Die medikamentöse Schmerztherapie ist der Grundpfeiler jeder Therapie; oft ist eine medikamentöse Dauertherapie nicht zu umgehen. Grundlegend sind die richtige Schmerzmitteldosis, die anwendungsgerechte Einnahme und die Vermeidung von Mischpräparaten.
Generell stehen viele verschiedene Analgetika zur Verfügung. Eine große Gruppe bilden die Nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR), zu denen Wirkstoffe wie Acetylsalicylsäure und Paracetamol zählen. Des Weiteren existieren Schmerzmedikamente, die an speziellen Opioidrezeptoren wirken. Diese Gruppe der Opiate wird anhand ihrer Wirkungsstärke unterteilt. Gemessen wird die analgetische Potenz an Morphin, das die Stärke 1 besitzt.

Operative Behandlungen kommen nur in äußersten Notfällen zum Einsatz, also dann, wenn andere Behandlungsmaßnahmen keine Wirkung zeigen. Mit dem ablativen Verfahren (operativer Eingriff) werden Nervenbahnen unterbrochen - das Schmerzempfinden also ausgeschaltet -, jedoch nicht der Auslöser der Schmerzen beseitigt.

Alternative Behandlungsansätze setzen sich in der Schmerztherapie mehr und mehr durch. Auch wenn die schmerzlindernde Wirkung einiger alternativer Behandlungsmöglichkeiten nicht wissenschaftlich nachgewiesen wurde, besitzen die alternativen Methoden einen hohen Stellenwert innerhalb der heutigen Schmerztherapie. Besonders die aus der traditionellen chinesischen Medizin stammende Akupunktur hat sich etabliert.

Auch die physiotherapeutische Schmerztherapie nimmt bei der Behandlung chronischer Schmerzen einen wichtigen Platz ein. Sie wird häufig begleitend zu anderen Therapiemaßnahmen eingesetzt. Krankengymnastik, Wärme- und Kälteanwendungen, Massagen, Elektrotherapie sind einige wichtige Methoden der physiotherapeutischen Schmerztherapie.

Psychologische Schmerztherapien sind bei chronisch Erkrankten unabdingbar. Die Schmerzen steigern sich scheinbar immer weiter und belasten die Psyche des Patienten schwerwiegend. Gezielte Entspannungstechniken der psychologischen Schmerztherapie helfen dem Patienten, die Schmerzempfindung begleitende Gefühle abzubauen – zu den begleitenden Belastungen gehören z. B. Angst, Hilflosigkeit, Trauer und Ärger. Das breit gefächerte Spektrum psychologischer Methoden umfasst unter anderem das Autogene Training, die Hypnose und das so genannte Biofeedback. Beim Biofeedback werden Körperfunktionen, die normalerweise unbewusst ablaufen (Muskelspannung, Herzfrequenz, Durchblutung), mit geeigneten Geräten gemessen und rückgemeldet. Durch die audio-visuelle Rückmeldung (= Feedback) werden physiologische Funktionen der Wahrnehmung leichter zugänglich gemacht und können so besser unter Kontrolle gebracht werden.